CDU-Parteitag in Stuttgart: Merz setzt auf Disziplin statt Geselligkeit
Finn BauerCDU-Parteitag in Stuttgart: Merz setzt auf Disziplin statt Geselligkeit
CDU-Parteitag in Stuttgart: Strengere Regeln für Delegierte und Aussteller
Der jährliche Bundesparteitag der CDU in Stuttgart bringt strenge neue Vorschriften für Delegierte und Aussteller mit sich. Die Parteiführung hat die Zeiten für den Alkoholausschank angepasst und setzt damit ein klares Signal: Fachdebatten gehen vor Geselligkeit. Gleichzeitig wird auf dem Parteitag die tiefe Zerrissenheit der Union in zentralen Reformfragen deutlich.
In den vergangenen fünf Jahren hat die CDU die Alkoholregeln auf ihren Parteitagen schrittweise verschärft. Noch vor 2020 waren Bier und Wein während der Sitzungen frei verfügbar. Doch seit 2021 führten Corona-Beschränkungen und Hygienevorgaben zu Verboten oder starken Einschränkungen – etwa nur alkoholfreie Getränke 2022 oder begrenzte Ausschankzeiten 2023. In diesem Jahr durften Aussteller Bier, Wein und Spirituosen erst nach Ende der Tagesordnung anbieten.
Friedrich Merz hat mit seinem Motto "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" die Prioritäten der Partei klar vorgegeben. Delegierte müssen nun bis zum Abschluss aller Debatten im Plenarsaal bleiben, um sicherzustellen, dass die inhaltliche Arbeit vor etwaigen Feierlichkeiten abgeschlossen wird. Das fast 450 Seiten starke Beschlussbuch des Parteitags behandelt dabei ein breites Themenspektrum – von Wohnungsbau und Klimaneutralität über Wehrpflicht und Wahlrechtsreform bis hin zu einem vorgeschlagenen Social-Media-Verbot für Minderjährige.
Doch die Partei bleibt zersplittert. Wirtschaftsliberale, Arbeitnehmerflügel, Konservative und Gemäßigtere ringen um unterschiedliche Zukunftsvisionen für die CDU. Bundeskanzler Olaf Scholz steht unter zusätzlichem Druck durch geopolitische Spannungen und eine sich wandelnde globale Ordnung, während sich Merz als disziplinierter Führer vor den entscheidenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz positioniert.
Die verschärften Alkoholregeln auf dem Parteitag spiegeln den allgemeinen Kurs der CDU unter Merz wider: Disziplin steht im Vordergrund. Delegierte müssen die politische Arbeit vor die Geselligkeit stellen, Aussteller passen sich den neuen Ausschankzeiten an. Angesichts innerparteilicher Gräben und anstehenden Wahlen bleibt die CDU damit zwischen Einheit und Reform gefangen.






